Sie sitzen in einem Meeting, die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache, und trotzdem sagt jemand: „Wir haben schon so viel investiert – jetzt einfach stoppen? Das können wir doch nicht machen!“
Genau hier greift die „Sunk Costs Fallacy“ – oder auf gut Deutsch: der Trugschluss der versunkenen Kosten.
Der Denkfehler also, vergangene Investitionen als Grund für zukünftiges Handeln zu sehen.
Die Logik ist eigentlich einfach: Geld, Zeit oder Energie, die bereits weg sind … sind unwiederbringlich weg. Punkt.
Das Problem: Wer sie als Argument für weitere Investitionen nutzt, riskiert, schlechte Entscheidungen fortzuführen – nur um nicht „umsonst“ gearbeitet zu haben.
Wer so denkt, verheddert sich in endlosen Meetings, blockiert Ressourcen und demotiviert Teams, so meine Erkenntnis.
Warum tappen gerade Führungskräfte in diese Falle?
- Ego: Wer gibt schon gern zu, dass eine Entscheidung falsch war?
- Teamloyalität: „Wir können das jetzt nicht abbrechen, die Kolleg:innen haben so hart gearbeitet.“
- Hoffnung: Vielleicht dreht sich das Blatt ja doch noch. (Meine Erfahrung: Ganz selten.)
Wie kommt man da raus?
- Radikale Ehrlichkeit: Fragen Sie sich nicht, was Sie schon investiert haben, sondern nur: „Würde ich heute – ohne Vorleistung – wieder starten?“
- Externe Perspektive: Ein frischer Blick von außen erkennt schneller, wo es nicht mehr lohnt.
- Kultur der Fehlertoleranz: Wenn Scheitern erlaubt ist, wird Abbrechen kein Gesichtsverlust, sondern Führungsstärke.
Führung bedeutet auch: den Stecker ziehen
Das Mutigste, was man als Führungskraft tun kann, ist nicht, Projekte mit Zähnen und Klauen zu retten, sondern sie rechtzeitig loszulassen. Denn die eigentliche Verschwendung liegt nicht im Geld, das bereits ausgegeben ist – sondern in dem, was wir noch zusätzlich verbrennen.
Also:
Welches Projekt in Ihrem Umfeld läuft gerade nur noch, weil „wir schon so viel investiert haben“? Und was würde passieren, wenn Sie morgen sagen: „Danke, war ein Versuch – aber wir hören hier auf“?
Und falls Sie gerade denken: „Aber dieses Projekt ist anders …“ – willkommen in der Falle 😉